Das Sehen

Nach Aussage des Berufsverbandes der Orthoptistinnen Deutschlands e. V. sind die Augen mit über 80 Prozent an der Wahrnehmung der Umwelt beteiligt. Die visuelle Wahrnehmung befähigt uns, optische Reize aufzunehmen, zu unterscheiden, einzuordnen, zu interpretieren, mit früheren Erfahrungen zu verbinden und entsprechend darauf zu reagieren. Sie bildet somit die Voraussetzung für die Lernfähigkeit des Kindes in der Schule.

Nach Frostig unterscheiden wir 5 Bereiche der visuellen Wahrnehmung:

  1. visumotorische Koordination
  2. Figur-Grundwahrnehmung
  3. Wahrnehmung der Formkonstanz
  4. Wahrnehmung der Raumlage
  5. Wahrnehmung räumlicher Beziehungen

 

1. Die visumotorische Koordination beschreibt die Koordination des Sehens mit den Bewegungen des Körpers.

Kinder mit Störungen in diesem Wahrnehmungsbereich fallen auf durch:

  • unkoordinierte Bewegungen
  • Tollpatschigkeit
  • Vermeidung feinmotorischer Aktivitäten (Basteln, Schneiden) bzw. Ungeschicklichkeit darin

Folgen davon sind:

  • Schwierigkeiten beim Schreiben, vor allem beim Erlernen und Nutzen der Schreibschrift und beim Einhalten der Linien im Heft
  • Schwierigkeiten, eine Linie bzw. einen Satz mit den Augen zu verfolgen, was das Lesen erheblich erschwert
  • Schwierigkeiten beim Abschreiben eines Textes von der Tafel, da die Augen im Wechsel auf das Heft und die Tafel eingestellt werden müssen

 

2. Als Figur-Grundwahrnehmung wird die Fähigkeit bezeichnet, aus einer Fülle von Reizen die Aufmerksamkeit auf eine Figur zu richten, die am klarsten erkennbar ist, während die anderen Reize einen nur ungenau wahrgenommenen Hintergrund bilden. Das ist die Voraussetzung für Konzentrationsfähigkeit und zielgerichtetes Handeln.

Störungen äußern sich in:

  • einem unaufmerksamen, unorganisiertem Verhalten und
  • einer Reizgebundenheit: eine Tätigkeit wird immer wiederholt und kann nicht geändert werden.

Als Folge davon:

  • ist eine Konzentration auf den Lehrstoff nicht möglich, da die Ablenkung durch umgebende Reize zu stark ist.
  • findet der Betroffene nicht die richtige Seite, Textstelle bzw. das richtige Wort auf der Seite und überspringt Absätze.

 

3. Die Wahrnehmung der Formkonstanz beinhaltet das Wiedererkennen von Formen unabhängig von Größe, Farbe, Struktur, Perspektive oder Entfernung als Voraussetzung für die Fähigkeit zur Generalisation und Abstraktion, zum Erkennen geometrischer Formen, zum Erfassen und Wiedererkennen von Wortbildern etc.

Störungen äußern sich darin, dass betroffene Kinder:

  • Formen nicht unterscheiden und zuordnen können
  • Formen verwechseln, z. B. Ei und Ball, Oval und Kreis, Quadrat und Raute.

In Folge dessen ist:

  • das Erfassen, Speichern und Wiedererkennen von Zahlen und Buchstaben, von Wortbildern und Formen erschwert.

 

4. Das Erfassen der Raum-Lage-Beziehung eines Gegenstandes zum Beobachter wird durch die Wahrnehmung der Raumlage beschrieben. Voraussetzung für eine intakte Raumlage- Wahrnehmung ist eine deutliche Körpereigenwahrnehmung und ein gut funktionierendes Gleichgewichtssystem.

Störungen der Raumlage-Wahrnehmung äußern sich:

  • in nicht erkannten Raumlage-Bezeichnungen, wie z. B. innen, außen, davor, dahinter usw.
  • im nicht Erkennen von Spiegelverkehrtem,
  • in Unbeholfenheit, Gleichgewichtsunsicherheit und Vermeidung des Kreuzens der Körpermittellinie bei den Betroffenen.

Als Folge davon:

  • entstehen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, z. B. können d, b, q, p nicht unterschieden werden, weil deren Lage im Raum nicht wahrgenommen wird.
  • entwickeln sich Schwierigkeiten beim Rechnen, z. B. werden die Zahlen 6 und 9 verwechselt und es werden Zahlen vertauscht (53 – 35).

 

5. Die Wahrnehmung räumlicher Beziehungen beschreibt die Fähigkeit, die Lage von zwei oder mehreren Gegenständen in Bezug zu sich selbst und in Bezug zueinander wahrzunehmen als Voraussetzung für die Orientierung im Raum und für mathematisches Verständnis von Zahlenräumen und Geometrie.

Störungen werden sichtbar durch:

  • eine mangelnde Orientierung im Raum, Betroffene finden den Weg, den Ausgang nicht wieder.
  • Schwierigkeiten beim Einhalten von Reihenfolgen und beim Bauen, Malen, Puzzeln etc.


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